Zero-Shot-Prompting: Wie AI-Modelle Aufgaben ohne Trainingsbeispiele ausführen

Anjana Vasan
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Parloa
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5 November 20255 mins

„Prompting" beschreibt, wie Menschen Aufgaben an Modelle in natürlicher Sprache kommunizieren – der AI also in Worten mitteilen, was sie tun soll. Die Bandbreite der Prompting-Techniken reicht von einfachen Anweisungen über Prompts mit Beispielen (Few-Shot) bis hin zum vollständigen Training eines maßgeschneiderten Modells. Unter diesen Ansätzen sticht Zero-Shot-Prompting hervor, weil es die Flexibilität bietet, aussagekräftige Ergebnisse ohne Trainingsbeispiele zu erzielen.

Organisationen setzen AI zunehmend im Kundenservice und in der Customer Experience ein. Damit steigen die Erwartungen an die Qualität und Effizienz dieses Services. Laut Gartner werden 80% der gängigen Support-Anfragen bis 2029 autonom von Agentic AI ohne menschliches Eingreifen bearbeitet. Das deutet auf eine Zukunft hin, in der ein möglichst geringer Setup-Aufwand und maximale Anpassungsfähigkeit erfolgsentscheidend sein werden. Wer intelligente Agents schnell bauen kann, ohne langwierige Labeling- oder Retraining-Zyklen, wird einen Wettbewerbsvorteil haben.

Dieser Beitrag beleuchtet die Fragen: Was ist Zero-Shot-Prompting und wie unterscheidet es sich von Few-Shot? Warum ist es für den Einsatz in Unternehmen so wichtig (besonders in der CX und Automatisierung)? Und wie nutzt Parloa diese Methode, um smarte, mehrsprachige Agents mit wenig Einrichtungsaufwand bereitzustellen? Außerdem zeigen wir die Risiken auf, die damit einhergehen, und geben Führungskräften Best Practices an die Hand, um Zero-Shot-Systeme zu evaluieren.

Was ist Zero-Shot-Prompting?

Zero-Shot-Prompting bedeutet, ein AI-Modell über natürliche Sprachanweisungen zu einer Aufgabe aufzufordern, ohne Beispiel-Inputs oder -Outputs bereitzustellen. Vom Modell wird erwartet, dass es auf sein Wissen aus dem vorherigen Training zurückgreift und die Anweisung direkt interpretiert.

Natürliche Sprachanweisungen

Beim Zero-Shot-Prompting enthält die Anweisung (oder der „Prompt") typischerweise:

  • Eine klare Aufgabenbeschreibung (z.B. „Klassifiziere dieses Support-Ticket als {Hoch, Mittel, Niedrig}“)

  • Die Eingabedaten (z.B. Ticket-Text, Kundennachricht)

  • Manchmal „Output-Hinweise" (z.B. die Angabe „Antwort:" oder „Kategorie:"), um die Antwort zu strukturieren

Ohne Beispiele verlässt sich das Modell darauf, wie gut die Anweisung mit seinem vorhandenen Wissen und seinen Reasoning-Fähigkeiten übereinstimmt.

Wie sich Zero-Shot- von Few-Shot-Prompting unterscheidet

  • Zero-Shot: Keine Beispiele. Du verlässt dich vollständig auf den Prompt und die vortrainierten Fähigkeiten des Modells.

  • Few-Shot: Du stellst eine kleine Anzahl von gelabelten Beispielen (etwa zwei bis fünf) innerhalb des Prompts bereit. So gibst du dem Modell das gewünschte Output-Format oder den Klassifizierungsstil vor.

Im Vergleich zu Few-Shot reduziert Zero-Shot den Aufwand für das Erstellen von Beispielen, reagiert dafür aber empfindlicher auf die Formulierung des Prompts und liefert teils weniger konsistente Ergebnisse.

Enterprise CX: Warum Zero-Shot-Prompting wichtig ist

Für IT-Führungskräfte oder AI-Entscheider:innen bietet Zero-Shot-Prompting erhebliche Vorteile, die eng mit den Implementierungsanforderungen in Enterprise-Umgebungen verbunden sind:

Schnellere Experimente und Iteration

Traditionelle AI- oder ML-Workflows erfordern oft das Sammeln gelabelter Daten, das Training oder Fine-Tuning von Modellen, die Validierung der Performance und die Bereitstellung der Anwendung – ein Prozess, der Wochen oder Monate dauern kann. Zero-Shot umgeht vieles davon. Du kannst einen Prototypen allein mit Prompt Engineering erstellen. Da der Schritt, Beispiele zu sammeln, wegfällt, können Teams Use Cases schnell testen.

Niedrige Einstiegshürde für Fachteams

Nicht jedes Team hat die Kapazität, gelabelte Datensätze zu erstellen oder zu pflegen. Zero-Shot-Prompting ermöglicht es Fachexpert:innen (z.B. CX-, Support-Leads), mit AI-gesteuerten Aufgaben ohne tiefgehende Data-Science-Unterstützung zu experimentieren. Dies senkt die technische Hürde für den Einsatz sprachgestützter Automatisierungen.

Anpassungsfähig und agil in dynamischen Umgebungen

Kundensupport, Conversational AI und CX-Systeme entwickeln sich mit neuen Produktlinien, sich änderndem Kundenverhalten und neuen Sprachen weiter. Zero-Shot ermöglicht es, das AI-Modell mit minimalem Setup-Aufwand anzupassen oder neue Intents hinzuzufügen, ohne es jedes Mal neu zu trainieren oder neu zu labeln.

Kurz gesagt: Zero-Shot steht für Geschwindigkeit, Flexibilität und einen niedrigschwelligen Einstieg, um AI in operative Workflows zu integrieren.

Vorteile und Risiken von Zero-Shot-Prompting

Zero-Shot bietet großes Potenzial, ist aber nicht die perfekte Lösung für alles. Deshalb lohnt sich ein ausgewogener Blick auf die Vorteile und Risiken:

Vorteile schneller Anpassungsfähigkeit

  • Flexibilität über Bereiche hinweg: Ein einzelnes Basismodell kann mehrere Aufgaben ohne Retraining übernehmen (z.B. Klassifizierung, Zusammenfassung, Intent-Erkennung).

  • Keine anfänglichen Labeling-Kosten: Manuelle Datenannotationen sind nicht nötig.

  • Weniger Wartung: Du iterierst über Prompt-Texte statt Modelle nachzutrainieren.

  • Skalierbarkeit in verschiedenen Sprachen oder Regionen: Wenn dein Basismodell multilinguale Fähigkeiten hat, kannst du dieselbe Prompt-Struktur auf neue Sprachen anwenden.

Risiken schlechter Ausgabequalität (und wie man sie reduziert)

  • Inkonsistente oder mehrdeutige Antworten: Ohne Beispiele könnte das Modell Anweisungen in Sonderfällen falsch interpretieren.

  • Halluzinationen / Faktenfehler: Das Modell kann plausibel klingende Antworten „erfinden", wenn ihm domänenspezifisches Wissen fehlt.

  • Domain-Mismatch: In hochspezialisierten technischen oder regulierten Bereichen hat das vortrainierte Modell möglicherweise nicht die notwendige Basis, um verlässlich zu generalisieren.

  • Fragile Prompts: Leichte Änderungen in der Formulierung können große Effekte auf die Qualität der Ausgabe haben.

So lassen sich diese Risiken reduzieren:

  • Robuste Prompt-Test-Pipelines aufbauen (A/B-Tests für Prompt-Varianten)

  • Fallback-Logiken oder menschliche Review-Ebenen einführen, wenn die Output-Konfidenz niedrig ist

  • Prompt-Tuning oder Instruction-Tuning nutzen bzw. Zero-Shot mit Few-Shot in hybriden Designs kombinieren

  • Output-Drift über die Zeit monitoren (Modell-Updates können das Verhalten ändern)

  • Schutzmaßnahmen und Validierungen umsetzen, besonders in kundenorientierten Flows

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Use Cases für Zero-Shot-Prompting

Von der Theorie in die Praxis: Im Folgenden findest du praktische Anwendungsfälle für Zero-Shot-Prompting, die für Customer Experience, Automatisierung und Enterprise-Workflows relevant sind:

Ticket-/Nachrichten-Klassifizierung (Routing, Priorisierungs-Tagging)

Einer der Use Cases mit dem größten Impact ist die Klassifizierung eingehender Support-Tickets, Chat-Anfragen oder E-Mails in Kategorien (z.B. „Abrechnung", „Technisches Problem", „Abonnement") oder Prioritätsstufen – ohne vorgelabelte Trainingsdaten.

Du kannst so prompten:

„Klassifiziere den untenstehenden Text in eine der folgenden Kategorien: Abrechnung, Technisch, Sonstiges. Gib dann in einem Satz eine Begründung an."Input: „Kundin schreibt: Mir wurde diesen Monat zu viel berechnet und ich kann nicht auf die Premium-Funktionen zugreifen."Output: „Abrechnung – weil sie sich beschwert, zu viel bezahlt und keinen Zugang zu Funktionen zu haben."

Diese Art von Zero-Shot-Klassifizierung wird häufig in automatisierten Kundenprozessen eingesetzt.

Intent-Erkennung und Routing im Kundenservice

Bei Conversational AI musst du oft den User-Intent erkennen (z.B. „Erstattung_Anfrage", „Produkt_Info", „Konto_Update"). Zero-Shot ermöglicht es, neue Absichten ohne Retraining zu verstehen. Forschungsergebnisse zeigen, dass Zero-Shot-Prompting auch für implizite Intent-Inferenz in Multi-Domain-Dialogen erfolgreich eingesetzt werden kann.

Zusammenfassungen und schnelle CX-Insights

Zero-Shot-Prompting erweist sich als effektiv, um lange Transkripte, Support-Gespräche oder Problem-Logs zusammenzufassen. Zum Beispiel:

„Fasse das folgende Kundensupport-Transkript in drei Stichpunkten zusammen: Hauptproblem, Kundenstimmung, empfohlener nächster Schritt."

Da du vorab keine Beispiel-Zusammenfassungen brauchst, kannst du neue Dialoge schnell verarbeiten, um Insights abzuleiten.

Strukturierte Daten aus unstrukturierten Inputs extrahieren

Um strukturierte Key-Value-Outputs (z.B. Name, Problem, Dringlichkeit) aus unstrukturiertem Text, zum Beispiel Metadaten aus einem Chat-Log, zu extrahieren, kann ein passender Prompt lauten:

„Extrahiere aus dieser Unterhaltung die Felder: Kunden_ID, Problem_Kategorie, Sentiment_Score und empfohlene_nächste_Aktion."

Zero-Shot-Extraktion wird häufig bei Workflows zur Dokumentenverarbeitung in Enterprise-Umgebungen eingesetzt.

Lesetipp: Enterprise CX – Wie AI Agents Loyalität und Markenvertrauen stärken

Wie Parloa Zero-Shot-Prompting einsetzt

Bei Parloa integrieren wir Zero-Shot-Prompting direkt in die Agent-Orchestrierungsschicht, um adaptive, mehrsprachige, datenarme CX-Automatisierungen bereitzustellen. Das funktioniert folgendermaßen:

Intent-Erkennung für multilinguale CX

Viele CX-Projekte umfassen mehrere Sprachen und Regionen. Gelabelte Datensätze für jede Sprache zu erstellen, ist ressourcenintensiv. Parloa nutzt Zero-Shot-Prompting auf einem sorgfältig gewählten Basis-LLM (oder Ensemble), um Nutzereingaben in verschiedenen Sprachen zu verstehen – ohne vorherige Trainingsbeispiele pro Region. So können Conversational Agents Intents sprachübergreifend sofort erkennen.

Da Parloas Orchestrierungsschicht das Mapping von erkannten Intents zu Antwort-Flows kennt, lässt sich eine neue Sprache einfach hinzufügen und dieselbe Prompt-Logik wiederverwenden. Das reduziert die Setup-Zeit signifikant.

Orchestrierung von Antworten ohne Setup-Daten

Sobald der User-Intent bestimmt ist, kann Parloa Zero-Shot-Prompts nutzen, um den nächsten Schritt zu steuern: Wissensdatenbanken abfragen, Disambiguierung durchführen, nachgelagerte APIs oder Fallback-Flows auslösen. Das minimiert den Bedarf an handcodierten Intent-to-Action-Regeln oder beispielbasierten Fallback-Mappings.

Parloas Agents arbeiten in einem Zero-Shot-fähigen Orchestrierungs-Framework: Prompts steuern Klassifizierungs-, Extraktions- sowie Orchestrierungsentscheidungen. Dadurch können sich Agents dynamisch anpassen – ohne individuelle Trainingsphase.

Parloas Architektur stellt die Prompt-Logik in den Mittelpunkt. So lassen sich Prompt-Vorlagen und Fallbacks anpassen, ohne den Agent von Grund auf neu bauen zu müssen.

Best Practices und Tipps für IT-Führungskräfte

Hier sind einige taktische Tipps, um das Beste aus Zero-Shot-Prompting in Enterprise-Umgebungen herauszuholen:

  • Einfach starten: Beginne mit klar definierten Aufgaben (z.B. Klassifizierung), bevor du mehrstufiges Reasoning angehst.

  • Über Prompt-Formulierung iterieren: Kleine Anpassungen (wie das Hinzufügen von „sei prägnant", „in JSON" etc.) bringen oft enorme Verbesserungen in der Ausgabequalität.

  • Output-Struktur-Hinweise einbeziehen: Anweisungen zum Ausgabeformat oder Beispiel-Schemata (ohne vollständige Beispiele) bereitzustellen hilft, Mehrdeutigkeit zu reduzieren.

  • Mit Fallback und menschlicher Überprüfung kombinieren: Bei Anwendungsfällen mit hohem Risiko (z.B. Abrechnung, Compliance) sollten menschliche Agents Outputs mit niedriger Konfidenz prüfen.

  • Drift überwachen und nachkalibrieren: Wenn sich das zugrunde liegende LLM weiterentwickelt oder sich das Nutzerverhalten ändert, sollten Prompts regelmäßig revalidiert werden.

  • Hybrider Ansatz bei Bedarf: Für besonders kritische Use Cases mit Zero-Shot starten und auf Few-Shot oder Fine-Tuning zurückgreifen, wenn stabile Daten verfügbar sind.

  • Prompts steuern, nicht nur Modelle: Versionskontrolle und Validierung über Prompt-Templates sind für den Einsatz und die Skalierung im Enterprise-Umfeld essenziell.

Die Zukunft der AI-Automatisierung beginnt mit Zero-Shot-Prompting

Zero-Shot-Prompting eröffnet neue Möglichkeiten für AI-gestützte CX-Automatisierung: Die Methode steigert Geschwindigkeit sowie Flexibilität und senkt Einstiegshürden – besonders, wenn gelabelte Daten fehlen oder sich häufig ändern. Gleichzeitig bringt der Ansatz Risiken mit sich wie inkonsistenten Output, Halluzinationen und Prompt-Sensitivität.

Bei Parloa setzen wir auf durchdachte Prompting-Frameworks, um unsere AI Agents so zu trainieren, dass Unternehmen Intent-gesteuerte, mehrsprachige Agents mit minimalem Setup und schnellen Iterationszyklen aufbauen können.

Für IT-Verantwortliche, die AI in ihre CX-Architektur integrieren möchten, ohne monatelanges Training, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um Zero-Shot-Prompting auszuprobieren.

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